Regional denken, global handeln
Im aktuellen Bericht zum “Zustand der Welt” vom Worldwatch Institute heißt es, dass im Laufe der nächsten zwei Jahre erstmals mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten leben wird. Auf globaler Ebene bedeutet dies nicht nur soziale und wirtschaftliche Probleme, sondern auch große Aufgaben für den Umweltschutz.

Städte tragen einen großen Teil zur Verschmutzung und zum Ausstoß von Treibhausgasen bei. Doch die Bevölkerungskonzentration und die meist gut entwickelte Infrastruktur erleichtert auch einen Richtungswechsel hin zur umweltverträglicheren Energiegewinnung.
DOE Solar Decathlon - photos Chris Gunn
Solarenergie in Finnland
Ekkoviikki ist das größte Solarenergie-Projekt in Finnland. Viikki, ein Vorort von Helsinki, wendet Richtlinien zur ökologischen und nachhaltigen Energiegewinnung in großem Umfang an. Hier wohnen 2000 Menschen auf einer Fläche von 64.000 m2. Systeme zur Nutzung der Sonnenenergie mit einer Fläche von 1.246 m2 produzieren 15% des gesamten Wärmebedarfs. Die nächste Generation der Gebäude in Viikki wird dieses Niveau sogar noch weiter anheben.

Das Ekkoviikki-System, das auch bei relativ niedrigen Temperaturen arbeitet, kombiniert Solarenergie mit Fernwärme. Die Baukosten sind dabei nur um 5% höher. Nach der Fertigstellung im Jahr 2010 werden in Viikki mehr als 10.000 Menschen leben. Ekkoviikki hat zum Ziel, den Treibhausgas-Ausstoß zu reduzieren, genauso wie den Wasser-, Strom- und Energieverbrauch für die Heizung sowie die Müllproduktion.
Das “Solarhaus”
Wissenschaftler der TU Darmstadt arbeiten gegenwärtig an der Entwicklung eines Solarhauses, in dem High-Tech-Isolierung mit Sonnenenergie kombiniert wird. Dabei soll das Haus genug Energie für das tägliche Leben im Haus sowie für den Betrieb eines Elektroautos produzieren.

Die Außenhaut des Hauses nimmt die Sonnenenergie auf. Außerdem reduziert die Wärmeisolierung ganz gravierend den Wärmeverlust und die benötigte Energiemenge für die Beheizung (oder Kühlung) des Hauses. Mit dem so gewonnenen Energieüberschuss soll ein Elektroauto betrieben werden.
Einbeziehung der Bevölkerung
Die Beteiligung der Bürger, vor allem auf lokaler Ebene, hat sich als erfolgreicher Weg gezeigt, wenn es um die Veränderung der Lebensbedingungen in den Städten geht. In Porto Alegre beispielsweise, einer der größten Städte Brasiliens, hat die Bevölkerung mehr Mitspracherecht bei der Haushaltsplanung der Stadt erhalten. Als Ergebnis sind Lebenserwartung und Lebenserwartung dort heute mit Europa oder Nordamerika vergleichbar.

Da die Bevölkerung eine wichtige Rolle bei neuen Maßnahmen zur nachhaltigen städtischen Entwicklung spielt, sind Ansätze wie in Brasilien zukunftsweisend. Trotzdem wird die Bevölkerung immer noch selten zur Durchführbarkeit und Akzeptanz neuer Lösungen befragt. Dies liegt zum Teil an der Diskrepanz zwischen dem schnell voranschreitenden wissenschaftlichen Fortschritt und der Anerkennung neuer Technologien durch die breite Masse. Das EU-Forschungsprojekt “RAISE” setzt genau an diesem Punkt an: Ziel ist es, die Bürger bei wichtigen Entscheidungen einzubeziehen.
Umweltverträgliche Landwirtschaft
Die neuen Projekte befassen sich jedoch nicht nur mit der städtischen Entwicklung. Die EU fördert beispielsweise auch Projekte für die umweltverträglichere Landwirtschaft, um die Anbaugebiete und die biologische Vielfalt zu schützen. Um Zahlungen zu erhalten, müssen die Bauern dafür verschiedene Umweltrichtlinien einhalten.

So verpflichten sich die Bauern, für mindestens fünf Jahre umweltfreundliche Anbaumethoden einzusetzen. Im Gegenzug erhalten sie finanzielle Unterstützung als Ausgleich für die zusätzlichen Kosten und eventuelle Einkommensverluste, die neue Anbaumethoden zunächst mit sich bringen könnten. Dazu gehören weniger intensive und umweltverträglichere Anbaumethoden, biologischer Anbau oder der Landschaftsschutz und die Erhaltung von Hecken, Bächen oder Wäldern.
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